Die International Labour Organization (ILO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN), die sich weltweit für faire Arbeitsbedingungen, soziale Gerechtigkeit, Arbeitnehmerrechte und menschenwürdige Beschäftigung einsetzt. Sie wurde 1919 gegründet und entwickelt internationale Arbeitsstandards, die heute die Grundlage vieler nationaler Arbeitsgesetze sowie internationaler Sozial- und Nachhaltigkeitsstandards bilden.

Die ILO spielt eine wichtige Rolle für Unternehmen, Regierungen und Arbeitnehmerorganisationen und beeinflusst unter anderem:

  • Arbeits- und Sozialstandards,
  • Arbeitssicherheit,
  • Menschenrechte in Lieferketten,
  • Nachhaltigkeitsstrategien,
  • sowie internationale Compliance-Anforderungen.

 

Besonders in globalen Branchen wie der Leder-, Schuh-, Textil- und Produktionsindustrie sind die Standards der ILO von großer Bedeutung.

 

Was ist die Aufgabe der ILO?

Die International Labour Organization verfolgt das Ziel, menschenwürdige Arbeitsbedingungen weltweit zu fördern.

Zu ihren zentralen Aufgaben gehören:

  • Entwicklung internationaler Arbeitsstandards
  • Förderung von Arbeitnehmerrechten
  • Verbesserung von Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit
  • Bekämpfung von Kinderarbeit
  • Bekämpfung von Zwangsarbeit
  • Förderung von Chancengleichheit
  • Unterstützung sozialer Dialoge zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern

 

Die ILO setzt sich dabei sowohl für wirtschaftliche Entwicklung als auch für soziale Verantwortung ein.

 

Besonderheit der ILO: Das Dreigliedrigkeitsprinzip

Die ILO ist die einzige Organisation der Vereinten Nationen, die nach dem sogenannten Dreigliedrigkeitsprinzip arbeitet.

An Entscheidungen wirken gleichermaßen mit:

  • Regierungen
  • Arbeitgeberverbände
  • Arbeitnehmervertretungen

 

Dadurch sollen unterschiedliche Interessen ausgewogen berücksichtigt werden.

 

Die ILO-Kernarbeitsnormen

Die bekanntesten Standards der International Labour Organization sind die sogenannten Kernarbeitsnormen.

Sie umfassen vier grundlegende Prinzipien:

Bereich

Ziel

Vereinigungsfreiheit

Schutz von Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen

Verbot von Zwangsarbeit

Ausschluss unfreiwilliger Arbeit

Verbot von Kinderarbeit

Schutz von Kindern vor Ausbeutung

Diskriminierungsverbot

Gleichbehandlung aller Beschäftigten

Diese Grundsätze gelten heute weltweit als Mindestanforderungen für verantwortungsvolle Unternehmensführung.

 

ILO und soziale Verantwortung

Die ILO spielt eine zentrale Rolle im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) und nachhaltiger Unternehmensführung.

Viele internationale Unternehmen orientieren sich bei ihren Sozial- und Nachhaltigkeitsprogrammen an den Vorgaben der ILO.

Besonders relevant sind die Standards für:

  • faire Arbeitsbedingungen,
  • Arbeitsschutz,
  • Lieferkettenmanagement,
  • Diversity und Gleichbehandlung,
  • sowie Menschenrechte.

 

Bedeutung der ILO für die Leder- und Schuhindustrie

Die Leder- und Schuhindustrie verfügt häufig über internationale Lieferketten mit Produktionsstandorten in unterschiedlichen Ländern.

Deshalb gewinnen Themen wie:

  • Sozialstandards,
  • Arbeitssicherheit,
  • faire Löhne,
  • Arbeitnehmerrechte,
  • sowie transparente Lieferketten

zunehmend an Bedeutung.

Die ILO-Standards dienen vielen Unternehmen als Grundlage für:

  • Lieferantenbewertungen,
  • Sozialaudits,
  • Compliance-Programme,
  • sowie Nachhaltigkeitsstrategien.

 

ILO und Sicherheitsschuhe

Auch im Bereich:

  • Sicherheitsschuhe,
  • Feuerwehrstiefel,
  • Militärstiefel,
  • Rettungsdienstschuhe,
  • orthopädische Schuhe,
  • sowie Lederkomponenten

spielen soziale Standards entlang der Lieferkette eine immer größere Rolle.

Öffentliche Auftraggeber, internationale Marken und Industriekunden achten zunehmend darauf, dass Produkte unter fairen und sicheren Arbeitsbedingungen hergestellt werden.

 

Zusammenhang mit SA8000

Die Anforderungen des Standards SA8000:2014 Social Accountability Management System basieren in wesentlichen Bereichen auf den Grundsätzen der International Labour Organization.

ILO

SA8000

Internationale Arbeitsnormen

Zertifizierbares Managementsystem

Definition sozialer Mindeststandards

Umsetzung im Unternehmen

Globale Orientierung

Auditierbare Anforderungen

Deshalb gelten die ILO-Kernarbeitsnormen häufig als Grundlage für SA8000-Zertifizierungen.

 

ILO und ESG-Kriterien

Im Rahmen von ESG (Environmental, Social, Governance) beeinflusst die ILO insbesondere den Bereich „Social“.

Wichtige Themen sind:

  • Arbeitnehmerrechte
  • Gesundheitsschutz
  • Arbeitssicherheit
  • Gleichstellung
  • Diversität
  • faire Arbeitsbedingungen
  • Menschenrechte

 

Viele Unternehmen integrieren die ILO-Standards heute in ihre Nachhaltigkeits- und Compliance-Programme.

 

Internationale Übereinkommen der ILO

Die ILO entwickelt sogenannte Übereinkommen (Conventions), die von Mitgliedsstaaten ratifiziert werden können.

Zu den bekanntesten gehören:

  • Übereinkommen Nr. 29 (Zwangsarbeit)
  • Übereinkommen Nr. 87 (Vereinigungsfreiheit)
  • Übereinkommen Nr. 98 (Tarifverhandlungen)
  • Übereinkommen Nr. 100 (Gleiches Entgelt)
  • Übereinkommen Nr. 111 (Diskriminierungsverbot)
  • Übereinkommen Nr. 138 (Mindestalter)
  • Übereinkommen Nr. 182 (Verbot schlimmster Formen der Kinderarbeit)

 

Diese Standards bilden die Grundlage vieler nationaler Arbeitsgesetze.

 

Vorteile der Orientierung an ILO-Standards

Vorteil

Beschreibung

Internationale Anerkennung

Weltweit etablierte Arbeitsstandards

Soziale Verantwortung

Schutz von Arbeitnehmerrechten

Lieferketten-Compliance

Erfüllung von Kundenanforderungen

Risikominimierung

Verringerung sozialer und rechtlicher Risiken

ESG-Unterstützung

Beitrag zu nachhaltigen Unternehmensstrategien

 

ILO und nachhaltige Lieferketten

Immer mehr Unternehmen verlangen von ihren Lieferanten die Einhaltung internationaler Sozialstandards.

Dabei dienen die ILO-Grundsätze häufig als Grundlage für:

  • Lieferantenkodizes,
  • Nachhaltigkeitsprogramme,
  • Sozialaudits,
  • Responsible-Sourcing-Programme,
  • sowie ESG- und CSR-Initiativen.

 

Dadurch gewinnen die Standards der ILO in globalen Wertschöpfungsketten kontinuierlich an Bedeutung.

 

Häufige Fragen zur International Labour Organization (ILO)

Was bedeutet ILO?

ILO steht für International Labour Organization, die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen.

Was macht die ILO?

Die ILO entwickelt internationale Arbeitsstandards und setzt sich weltweit für faire Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz und Arbeitnehmerrechte ein.

Warum ist die ILO wichtig?

Die Organisation schafft weltweit anerkannte Mindeststandards für soziale Verantwortung und menschenwürdige Arbeit.

Welche Bedeutung hat die ILO für Unternehmen?

Die ILO-Standards dienen als Grundlage für Compliance-Programme, Nachhaltigkeitsstrategien und Sozialaudits in internationalen Lieferketten.

Was sind die ILO-Kernarbeitsnormen?

Die Kernarbeitsnormen umfassen das Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit, den Schutz von Arbeitnehmerrechten sowie das Diskriminierungsverbot.

EXPERTENWISSEN:
Warum die ILO für internationale Lieferketten relevant ist

Die International Labour Organization beeinflusst heute weit mehr als nur nationale Arbeitsgesetze. Ihre Standards bilden die Grundlage zahlreicher Sozialaudits, Nachhaltigkeitsprogramme und Compliance-Anforderungen internationaler Unternehmen. Gerade in globalen Branchen wie der Leder- und Schuhindustrie werden ILO-Prinzipien zunehmend als Voraussetzung für langfristige Geschäftsbeziehungen, öffentliche Ausschreibungen und ESG-Strategien betrachtet. Damit sind die ILO-Standards ein wichtiger Baustein für verantwortungsvolle und zukunftsfähige Lieferketten.